Wie sicher ist unser Wissen über den Klimawandel?

Unser Wissen über den Klimawandel beruht auf komplexem wissenschaftlichen Daten und Modellen - und in jedem komplexen wissenschaftlichen Bild gibt es strittige Details, Lücken, Fehlinterpretationen und Fehler. Gute Wissenschaft erkennt dieses an, und versucht die daraus folgende Unsicherheit abzuschätzen. So gibt etwa der Weltklimarat in seinem 4. Klimareport bis zum Ende des Jahrhunderts eine Temperaturerhöhung von 1,1 bis 6,4 °C an; abhängig von den Annahmen über die Entwicklung des Ausstoßes an Treibhausgasen und den Annahmen über ihre Auswirkungen. Die direkten Auswirkungen der Treibhausgase kann man im Labor messen: So würde eine Verdoppelung der Kohlendioxid-Konzentration die Temperatur der Erde um 1 °C steigen lassen. Aber Kohlendioxid hat auch indirekte Auswirkungen: Eine wärmere Atmosphäre enthält mehr Wasserdampf, und dies ist ebenfalls ein Treibhausgas und verstärkt somit den Temperaturanstieg. Wasserdampf in der Atmosphäre kann aber auch Wolken bilden, und diese können, je nach Höhe und Form, den Treibhauseffekt weiter verstärken - oder auch abschwächen. Über das genaue Ausmaß dieser und ähnlicher Rückkoppelungen geht heute der Streit bei den Klimaforschern, nicht mehr um die Frage, ob der Klimawandel tatsächlich vom Menschen verursacht wurde. Dies wird aber immer wieder mit dem Hinweis auf vergangene Klimaschwankungen - etwa die mittelalterliche Warmzeit - in Internet-Blogs in Frage gestellt. Die Klimaforscher kennen diese Klimaschwankungen natürlich auch, und testen ihre Modelle sogar daran, wie gut sie vergangene Klimaänderungen darstellen; in der Regel sind ihre Ursachen gut bekannt - aber eben heute nicht wirksam.

Die Folgen der Unsicherheit

Gerade die verbleibende Unsicherheit über das Ausmaß des Klimawandels ist ein wesentliches Argument zum Handeln: Wären wir sicher, dass die Temperaturerhöhung bei 1,1 °C läge, könnte die Menschheit sich wohl anpassen. Aber 6,4 °C wären ein Katastrophe. Die beste Versicherung dagegen sind schnelle Maßnahmen zum Klimaschutz.

© Jürgen Paeger 2008 - 2010